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Die neue Bau-PVO: Harmonisierung der Normen & neue Marktzugangsregelungen

Autorenbild: Matthias Brinkert
Matthias Brinkert
11. Apr.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Sept.

Seit dem 7. Januar 2025 ist die neue Europäische Bauprodukteverordnung (CPR, Verordnung (EU) 2024/3110) in Kraft getreten. Seit dem 8. Januar 2026 wird sie in allen EU- Mitgliedstaaten verbindlich angewendet. Sie löst die bisherige Verordnung von 2011 ab und beinhaltet eine ganze Reihe von Neuerungen für Hersteller, Händler und Dienstleister der Bauproduktebranche mit dem Ziel einer Harmonisierung des europäischen Binnenmarktes. Im Vordergrund stehen hierbei die Digitalisierung in der Bauproduktebranche sowie die sukzessive Umsetzung steigender Nachhaltigkeitsforderungen.



Der erste Handlungsstrang seitens der EU ist die Einführung eines digitalen Produktpasses (DPP) für Bauprodukte. Dem vorrausgehend liegt die Harmonisierung der Normen zu Grunde. Erst wenn die Normen einer Produktfamilie (ANNEX IV) durch eine Bau-PVO Sachverständigengruppe harmonisiert sind und dies im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht wurde, tritt der Rechtsakt in Kraft. Hier geht’s zum Benachrichtigungssystem der EU: https://single-market-economy.ec.europa.eu/single-market/goods/european-standards/notification-system_en#possible-future-standardisation-requests-to-european-standardisation-organisations


Zur zeitlichen Orientierung veröffentlichte die EU eigens das “Working Paper”. Das Dokument enthält auch weitere Informationen rund um das anzuwendende Verfahren.


Überblick zum Verfahren


Die EU sieht einen nicht verbindlichen Zeitplan vor, eingeteilt in Etappenziele (sog. Milestones bzw. Meilensteine) und Deadlines, an dem final die rechtsverbindliche Veröffentlichung der Ergebnisse (die harmonisierten Normen) steht. Hier geht’s zum Arbeitsplan: eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52025DC0772


Bevor es zu einem Normungsauftrag kommt, werden im ersten Etappenziel für die jeweilige Produktfamilie die Dokumente zusammengetragen und bereitgestellt (Meilenstein I). Im zweiten Etappenziel werden die abzudeckenden Produkte innerhalb einer Produktfamilie definiert (Meilenstein II). Das dritte und letzte Etappenziel beinhaltet die Festlegung wesentlicher Merkmale, Klassen und Produktinformationen sowie weitere, für neue für die Zulassung notwendige Informationen (Meilenstein III).


Die Erreichung von Meilenstein I kann bis zu 2 Jahre dauern. Zur verbindlichen Einführung der Normen durch Erreichen der Meilensteine II und III ist eine Frist von bis zu einem weiteren Jahr vorgesehen.



Status-Quo


Die im Arbeitsplan aufgelisteten Produktfamilien sind priorisiert. Schaut man nun in den Zeitplan (siehe Tabelle 3 im Arbeitsplan der EU: Maßnahmen in Bezug auf Produktfamilien), sind die ersten beiden zu harmonisierenden Produktfamilien bereits weit fortgeschritten: Für Produkte aus vorgefertigtem Normal-, Leicht- oder Porenbeton wurden die Normen bereits im 4. Quartal 2025 eingeführt. Für die zweite Produktfamilie „Metallbauprodukte und Zubehörteile“ ist die verbindliche Einführung für das 2. Quartal 2026 vorgesehen.


Der Status für die Produktfamilie „Türen, Fenster, Fensterläden, Rollläden, Tore und Beschläge“ liegt der Normungsauftrag seit dem ersten Quartal 2026 vor. Die Bereitstellung neuer Normen ist für das Jahr 2028 anberaumt, 2029 folgt die verbindliche Einführung. Ähnlich ist der Stand für folgende Produktfamilien:

-          Betonstahl/Bewehrungsstahl und Spannstahl für Beton

-          Zement, Baukalk und andere hydraulische Binder/Bindemittel

-          Wärmedämmungsprodukte – Dämmverbundbausätze/-systeme

-          Flachglas, Profilglas und Glassteinprodukte

-          Schornsteine, Abgasleitungen und spezielle Produkte

-          Produkte aus Bauholz für tragende Zwecke und Holzverbindungsmittel


Für weitere Produktfamilien steht zwar noch kein Jahr für die verbindliche Einführung der harmonisierten Normen fest, jedoch für die Frist für die Bereitstellung der Normen ist das Jahr 2029 vorgesehen:

-          Holzspanplatten und -elemente

-          Produkte für Beton, Mörtel und Einpressmörtel

-          Mauerwerk und verwandte Produkte

-          Zuschlagstoffe


Für die vielen restlichen Produktfamilien sind die Etappenziele bzw. Milestones bereits eingeplant.


Auch wenn es Übergangsfristen geben kann, sollten sich betroffene Unternehmen bereits mit ausreichendem Vorlauf auf die, sich aus den harmonisierten Normen ergebenden, neuen Herausforderungen vorbereiten, denn diese erfordern z. T. eine Neuorientierung strategischer Grundsätze sowie umweltrelevante Daten und Informationen außerhalb der bisher gängigen Geschäftspraktiken!



Die Rolle der EPD


Die Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie der EU sieht vor, dass Unternehmen für ihre (Bau)Produkte künftig die Umweltwirkungen über deren gesamten Lebenszyklus nachweisen müssen. Dieser Nachweis bezieht sich inhaltlich zunächst auf einen verifizierten Produkt Carbon Footprint (PCF). Der PCF ist Bestandteil sogenannter Umweltproduktdeklarationen (eng.: Environmental Product Declaration, kurz EPD) nach EN 15804. Die EN 15804 bildet an dieser Stelle das Kern-Regelwerk (sog. PCR) für alle Bauprodukte innerhalb Europas, auf deren Basis aktuell jede gültige EPD für Bauprodukte und Baustoffe beruht. Dies macht die EPD zu einem bereits in der Praxis etablierten Standard.


Die EPD kann jedoch für den Digitalen Produktpass nicht genutzt werden und ist im Rahmen der CE-Kennzeichnung offiziell nicht anerkannt. Allerdings können EPDs die Basis für sog. DoPCs bilden, die die Rolle von EPDs an dieser Stelle übernehmen.



Die DoPC


Die "Declaration of Performance and Conformity", kurz DoPC, ist eine Leistungserklärung und Konformitätserklärung. Ein digitales Format das jeder Hersteller von Bauprodukten in der EU zwingend ausstellen muss, bevor er ein Produkt auf den Markt bringen oder mit dem CE-Kennzeichen versehen darf. Sie unterglieder sich in zwei Bereiche:


Die Leistungserklärung (Declaration of Performance - DoP)


Hier erklärt der Hersteller rechtsverbindlich die wesentlichen technischen Merkmale seines Produkts (z. B. Druckfestigkeit von Beton, Brandschutzklasse von Kunststoffen, Wärmeleitfähigkeit).


Durch die Revision der BauPVO müssen Hersteller hier nun zwingend auch Umweltindikatoren ausweisen. Das bedeutet: Der CO2-Fußabdruck (GWP) und andere Ergebniswerte können direkt aus einer EPD in diese Erklärung übernommen werden.


Die Konformitätserklärung (Declaration of Conformity - DoC)


Mit diesem Teil bestätigt der Hersteller, dass sein Produkt alle relevanten europäischen Richtlinien, harmonisierten Normen und Sicherheitsstandards vollumfänglich erfüllt. Sie ist die rechtliche Basis für das CE-Zeichen.



Fazit


Ökologische Informationen über Bauprodukte sollen, natürlich ohne Offenlegung von sensiblen Daten, digital zugänglich und vor allem vergleichbar gemacht werden. Der Digitale Produktpass (DPP) bewirkt langfristig, dass durch die Auswahl von Baustoffen mit geringerer Umweltwirkung, insbesondere der CO2-Ausstoß bei Bautätigkeiten insgesamt sinkt. Hierzu werden valide Ergebniswerte zu den Umweltwirkungen der Bauprodukte benötigt. Diese Rolle wird der DoPC, als wesentlicher Bestandteil des DPP, künftig übernehmen. Die Umsetzung des DPP wird durch den Arbeitsplan der EU mittelfristig geregelt. Hierbei existieren zur Zeit keine verbindlichen Fristen und Etappenziele. Diese Ungenauigkeit sollen Übergangsfristen abfedern. Jedoch werden die grundlegenden neuen Änderungen in der BauPVO dadurch nicht abgemildert.




ecosy als Dienstleister und Software-Anbieter


Bauprodukte unterliegen in Zukunft strengeren Kennzeichnungspflichten, und mit rechtlichem Nachdruck soll der Markt für nachhaltige Baustoffe weiterwachsen. Wer sich frühzeitig mit Normen, PCRs und EPDs auseinandersetzt, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – und ist vorbereitet, sobald die neuen Regeln verbindlich greifen.

Möchten Sie sich über EPDs und den hiermit verbundenen Aufwand und Kosten informieren, so kontaktieren Sie uns! Legen Sie den Grundstein für nachhaltiges Handeln und reagieren Sie bereits heute angemessen und wirtschaftlich auf die anstehenden Herausforderungen. Dabei begleiten wir Sie von der Auswahl eines adäquaten EPD-Programmbetriebs über die Veröffentlichung Ihrer ersten EPD bis zur Etablierung eines professionellen EPD-Systems. Gerne prüfen wir Ihre individuelle Situation und zeigen Ihnen die für Sie wirtschaftlichste Lösung auf!

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