FDES im Kontext von EPDs
- Matthias Brinkert

- 1. März
- 5 Min. Lesezeit
Die Umweltproduktdeklaration (EPDs: Environmental Product Declarations) ist ein international etabliertes Kommunikationsformat, um Umweltauswirkungen von Produkten über deren Lebensweg sowie von Dienstleistungen verständlich und vergleichbar darzulegen. Im Europäischen Bausektor basieren EPDs auf der europäischen Norm EN 15804. Die Norm enthält das Basis-Regelwerk für die Erstellung von EPDs im Europäischen Bausektor.
In Frankreich existiert auf der nationalen Variante NF EN 15804 basierend das Format der FDES (Fiche de Déclaration Environnementale et Sanitaire). Diese EPD-Variante enthält zusätzliche nationale Gesundheits- und Komfortaspekte. Die FDES liefert damit neben Informationen über die Umweltauswirkungen insbesondere Aussagen zum Schutz der Nutzergesundheit. Die Norm bezieht sich dabei auf nationale Standards.
Hintergrund ist, dass die spezifischen Anforderungen an eine FDES essenziell für die französische Klimaverordnung RE2020, für die nationalen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme wie HQE und BBCA sowie für weitere klimarelevante Gebäudebewertungen sind. Dieser Beitrag erklärt anschaulich, was FDES sind, wie sie sich von EPDs unterscheiden, welche Normen/Regularien relevant sind und welchen strategischen Nutzen sie für Ihr Unternehmen bieten.

Was ist eine FDES?
Definition und Zweck
Eine FDES ist ein standardisiertes, geprüftes Dokument, das die Umwelt- und Gesundheitswirkungen eines Bauprodukts – von der Herstellung bis zur Entsorgung – transparent macht. Grundlage dafür ist eine Lebenszyklusanalyse (LCA), die nach internationalen Standards erstellt wird. Die FDES in Frankreich basiert auf den folgenden Normen:
EN 15804+A2: die europäische Norm, die in der aktuellen Version für neue EPDs seit November 2022 verbindlich ist.
NF EN 15804+A2/CN: der französische nationale Anhang, der zusätzliche Anforderungen für den französischen Kontext definiert.
Damit ist die FDES sowohl europaweit harmonisiert als auch an die französischen regulatorischen Anforderungen angepasst.
Rolle in der französischen Regulierung
Die FDES ist in Frankreich nicht nur eine optionale Information, sie ist gesetzlich verbindlich und wirtschaftlich unverzichtbar:
· In der RE2020 wird der Indikator „Ic construction“, der die CO₂ Bilanz aller verwendeten Bauprodukte misst, zwingend über FDES-Daten berechnet. Ohne FDES greifen Bauprodukte auf konservative Standardwerte zurück, was häufig zu höheren CO₂-Werten und einem schlechteren Gesamtergebnis führt.
· Zertifizierungen wie HQE (Haute Qualité Environnementale) und BBCA (Bâtiment Bas Carbone) setzen geprüfte FDES voraus, um ökologisch und gesundheitsorientiert zu bewerten.
Französische Ökobilanz-Tools wie etwa Elodie, Pléiades oder Equer greifen exklusiv auf die FDES Datenbank INIES zu.
FDES vs. EPD: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Gemeinsame Grundlagen
FDES und EPDs eint ein gemeinsamer methodischer Kern:
beide beruhen auf der EN 15804+A2,
sie decken den gesamten Lebenszyklus eines Produkts ab – von der Rohstoffentnahme bis zur Entsorgung,
werden nach produktspezifischen Regeln, den Product Category Rules (PCRs) erstellt,
und müssen von unabhängigen Dritten verifiziert werden.
So gewährleisten beide Formate gleichermaßen transparente, vergleichbare und verifizierte Daten.
Da die formellen sowie auch methodischen Vorgaben einer FDES im Kern mit denen der EPD übereinstimmen, nehmen Unternehmen den Zusatzaufwand in Kauf und nutzen vermehrt beide Formate, um sich innerhalb Europas speziell für den französischen Markt zu positionieren.
Spezifika der FDES
a) Gesundheitsdaten gemäß Bauproduktenverordnung (CPR)
Gemäß der europäischen Bauproduktenverordnung (CPR, Verordnung (EU) Nr. 305/2011) dürfen Bauprodukte über ihre gesamte Lebensdauer hinweg keine Risiken für Gesundheit, Hygiene oder Umwelt darstellen. EPD und FDES beinhalten verschiedene Indikatoren rund um diese Aspekte, wobei die FDES höhere Anforderungen an den Deklarationsinhaber adressiert.
Zum einen sind in einer FDES die zusätzlichen Umweltindikatoren obligatorisch auszuweisen, die gem. EN 15804 zwar ebenfalls berechnet, aber je nach Produktkategorie nur optional auszuweisen sind.
Zum anderen müssen spezielle Emissionsströme deklariert werden:
VOC (flüchtige organische Verbindungen),
lebende Partikel (etwa Mikroorganismen),
nicht-lebende Partikel (z. B. Fasern),
Radon und andere Gase,
Strahlung.
Weiterhin müssen in Produkten enthaltene SVHC-Stoffe (Substances of Very High Concern) nach REACH ausgewiesen werden.
Diese, im Rahmen der Nutzungsphase entstehenden Emissionen, sind gem. NF EN 15804 auf Basis einer einschlägigen Risikoanalyse zu bewerten.
Somit sind Produkte nicht nur ökologisch zu bewerten, sondern auch hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Auswirkungen in Innenräumen und deren Einfluss auf den Menschen.
b) Nationale Ergänzungen durch NF EN 15804+A2/CN
Eine wichtige Ergänzung im französischen Anhang der EN 15804 bezieht sich auf den biogenen Kohlenstoff. Der Anhang enthält u. a. präzise Regeln zur Berechnung von biogenem Kohlenstoff in Holz- und pflanzlichen Materialien. Auch wenn Angaben zum biogenen Kohlenstoff generell nach EN 15804 verpflichtend sind, beinhaltet der französiche Anhang konkrete Berechnungsansätze und Detailanforderungen.
c) Publikationspflicht in INIES
Das zentrale Bewertungssystem für Nachhaltige Gebäude (Green Building System) in Frankreich ist HQE (Haute Qualité Environnementale). Hier gilt: Nur in INIES veröffentlichte FDES wirken rechtlich und sind im Rahmen von HQE-Zertifizierungen zugelassen.
Ein HQE-Zertifikat bezieht sich auf die Aspekte Umwelt, Gesundheit, Komfort und Betriebsführung und orientiert sich dabei an französischen Standards. Das System ist eng mit nationalen Baupraktiken, Normen und Förderprogrammen verzahnt und somit lokalspezifisch auf den französischen Markt ausgerichtet. Oft spielen dabei Material- und Lebenszyklusaspekte eine hervorgehobene Rolle. Die hierfür benötigten Daten muss eine FDES beinhalten. So sind bspw. die Ökobilanz-Szenarien ab Werkstor so zu bestimmen, dass sie für den französischen Markt zutreffend sind.
Erstellung einer gültigen FDES
Die Erstellung einer FDES kann sowohl für neue Produkte und Services erfolgen, als auch auf einer bereits existierenden EPD basieren. Entscheidend ist die Berücksichtigung FDES-spezifischer Anforderungen im Rahmen der FDES-Erstellung. Diese unterliegen stets der Fremd-Verifizierung durch eine/n unabhängige/n Verifizierer/in:
Verantwortlich sind INIES-akkreditierte Prüfer/innen, die die Konformität mit NF EN 15804+A2 und NF EN 15804+A2/CN sicherstellen.
Nur verifizierte FDES werden veröffentlicht und sind rechtsgültig.
Ein Beispiel für spezialisierte Dienstleistungen im Bereich der FDES-Erstellung ist der ECOSY Service: Wir begleiten Hersteller bei der Erstellung von FDES – sei es auf Basis bestehender oder neuer EPDs – und unterstützen Sie bei der normkonformen Datenaufbereitung, Ökobilanzierung, Berichterstellung, sowie der Veröffentlichung von FDES in der INIES Datenbank. Solche Services können Unternehmen, insbesondere internationale Hersteller mit bestehenden EPDs, den Zugang zum französischen Markt deutlich erleichtern. Informieren Sie sich daher noch heute unter https://www.eco-sy.com/lca-epd-carbon-footprint-produkte
INIES: Die nationale Referenzdatenbank
Was ist INIES?
INIES ist die offizielle französische Plattform für Umwelt- und Gesundheitsdeklarationen von Bauprodukten, betrieben durch die Alliance HQE-GBC. Sie bündelt alle verifizierten FDES und macht sie digital zugänglich.
Funktionen:
Sammlung geprüfter FDES und PEPs (EPDs für Produkte und Services im Gebäudekontext außerhalb der Zuständigkeit der CPR)
Kompatibilität mit französischen LCA-Tools
Erfüllung von RE2020-Anforderungen
Bedeutung der Registrierung
Nur in INIES registrierte FDES sind:
rechtlich anerkannt für CO₂-Berechnungen nach RE2020
nutzbar für Zertifizierungen wie HQE oder BBCA
in PDF- und XML-Form verfügbar, um in digitale Tools integriert zu werden
Damit ist INIES unverzichtbar für die Planung, Vergabe und, Zertifizierung von Objekten im französischen Bausektor.
Fazit
Die FDES ist weit mehr als die französische Version der EPD. Für Architekten, Planer und Bauherren in Frankreich ist die Verwendung von geprüften FDES nicht nur eine Pflicht, sondern ein wichtiger Nachhaltigkeitsnachweis mit Fokus auf die Nutzergesundheit von Gebäuden. Mit der FDES werden innerhalb Frankreichs gesetzliche Anforderungen erfüllt und der Zugang zu Fördermitteln ermöglicht.
Sichern auch Sie sich durch die Veröffentlichung von FDES strategische Vorteile und stärken Sie Ihre Position in französisch geprägten Märkten! Rufen Sie uns noch heute an oder schicken Sie uns eine Nachricht zu, um alle notwendigen Schritte zu besprechen.




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